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DIE ZENTRALASIATISCHEN HIRTENHUNDE

 

Diese Schrift ist den Nomadenvölkern Zentralasiens, insbesondere Afghanistans, und ihren Tieren gewidmet. Mögen sie in Zukunft wieder in Frieden und Freiheit zu ihren angestammten Weidegründen wandern dürfen.

 

Diese grossen, urtümlichen Herdenschutzhunde sind in Westeuropa noch eine Seltenheit und es gibt wenig konkrete Informationen über die Rasse, die erst seit 1989 von der FCI offiziell anerkannt ist (FCI-Standard 335/89). Verwirrung stiftet, unter anderem, dass die Rasse mit unterschiedlichen Namen bezeichnet wird.

 

Im deutschen Sprachraum wird häufig die Bezeichnung "Mittelasiatischer Hirtenhund"gebraucht, der ebenfalls weit verbreitete Name "Zentralasiatischer Hirtenhund" dürfte aber vorzuziehen sein, weil "Zentralasien" heute eine geläufige geographische Bezeichnung ist, der Begriff "Mittelasien" aber eigentlich niemandem etwas sagt. Auch in den anderen europäischen Sprachen wird der Ausdruck "Zentral" gebraucht.

 

"Zentralasiatischer Ovtcharka" wird auch verwendet. Ovtcharka heisst nun einfach Schafhund auf russisch und führt gerne zu Verwechslungen mit dem bekannteren Kaukasischen Ovtcharka, der sich besonders im Charakter vom Zentralasiaten stark unterscheidet. Ausserdem bezeichnet der Begriff "Schäferhund" hauptsächlich Treibhunde, weshalb "Hirtenhund" für Herdenschutzhunde korrekter sein dürfte.

 

CAO ist die häufig benutzte englische Abkürzung für "Central Asian Ovtcharka", aus diesem Grund wird wohl in Deutschland manchmal die Schreibweise "Centralasiatischer Ovtscharka" angewandt, obwohl "Central" mindestens schon seit den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit "Z" geschrieben wird.

 

Die Bezeichnung "Zentralasiatischer Hirtenhund", auf russisch "Sredneaziatskaya Ovtcharka", ist eine russische Erfindung die in den Ursprungsländern nicht angewandt wird. Die ländlichen Bewohner dieser Regionen sind meist Hirten und oft Nomaden. Sie, die Schöpfer und ursprünglichen Benutzer dieser Rasse, bezeichnen ihre Tiere nach Verwendungszweck, Eigenschaften oder Aussehen in der jeweiligen lokalen Sprache.

 

So spricht man in Afghanistan von "Sag ê Koochi" - Nomadenhund (Kutschie-Hund, Koochee (Kutchie)-dog) oder "Sage Rama" - Schafherdenhund. Die schweren Bergtypen werden "Djence Sheri" - "Löwenrasse" genannt, die leichteren Steppentypen "Djence Palangi" - "Tigerrasse".

 

In den türksprachigen Regionen findet man die Bezeichnung "Coban Kopek" - Hirtenhund, Herdenhund, oder "Kurt Kopek" - Wolfs-(bekämpfender) Hund, aber auch "Karabas" - Schwarzkopf, oder "Karages" - Schwarzauge, sowie "Akbai" - weissköpfiger Hund, "Alabai" - gescheckter Hund etc.

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DIE PAMIRHUNDE

 

(siehe auch Kapitel "Zuchtziel" im Teil "Pamirhunde")

 

IM ZENTRUM DER ZÜCHTERISCHEN ANSTRENGUNGEN AUF DEM HORNIHOF STEHT DER WILLE EINEN MÖGLICHST GROSSEN BEITRAG AN DIE ERHALTUNG UND VERBREITUNG DES URSPRÜNGLICHEN ZENTRALASIATEN ZU LEISTEN.

 

Um dieser Rasse ihre Robustheit, Beweglichkeit und Ausdauer, ihren ausgeglichenen Charakter und ihre Langlebigkeit zu erhalten, konzentrieren wir uns in der Wahl der Linien auf die urtümlichen Typen aus den letzten unberührten Populationen im Herzland der Rasse, d.h. dem nördlichen Afghanistan und den direkt angrenzenden Gebieten der nördlichen Nachbarländer. Diese historische Wiege des Zentralasiaten wird von den schwer zugänglichen Berggebieten der weiteren Pamir-Region dominiert.

 

Die Erfahrungen seit den frühen 90er-Jahren haben uns gezeigt, dass die russischen und umsomehr die osteuropäischen Linien für unser Zuchtziel, den ursprünglichen Zentralasiatischen Hirtenhund zu erhalten, nicht mehr in Frage kommen, da diese zwar sicher vom gleichen Ursprung abstammen, sich von diesem aber, für unsere Ansprüche, eindeutig zu weit entfernt haben. Das gleiche gilt für die grosse Mehrzahl der Hunde in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens.

 

Um diese Differenzierung zu betonen und klar zu stellen, erlauben wir es uns die Zentralasiatischen Hirtenhunde vom "Blauen Berg" als "PAMIRHUNDE" zu bezeichnen, auch wenn dadurch das Risiko entsteht die allgemeine Namens-Verwirrung noch zu verstärken.

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AUFZUCHT UND HALTUNG

 

Ein weiteres Ziel unseres Zuchtbetriebs ist es diesen urtümlichen Arbeitshunden eine möglichst artgerechte Aufzucht und Haltung zu ermöglichen. Der Hornihof mit seinen auf 600-800m Höhe im Elsässer Jura gelegenen 60 Hektaren Land bietet für Westeuropa einmalige Voraussetzungen um das wahre Potential der Rasse zu fördern.

Von klein auf leben die Hunde in engem Kontakt mit unserer über 150-köpfigen Lamaherde, den Pferden, dem Yak und dem Kamel mit denen sie die malerischen Jurawiesen teilen.

Um allzu heftige Rangkämpfe zu vermeiden, halten wir sie entweder paarweise oder im engeren Familienverband auf grosszügigen Territorien rund um die zentralen Stallungen oder auch direkt mit der Herde auf den Weiden. Die einzelnen Reviere sind mit Elektrozäunen abgetrennt. So werden sie auf ihre Arbeit vorbereitet und auf die ihnen anvertrauten Tiere geprägt.

Durch unsere zahlreichen Besucher werden sie auch in Bezug auf fremde Menschen und vor allem Kinder frühzeitig und intensiv sozialisiert.

Diese Faktoren sind der Grund dafür, dass unsere Hunde ein wesentlich ausgeglicheneres und freundlicheres Sozialverhalten aufweisen als die meisten ihrer Artgenossen anderer Herkunft. Gleichzeitig sind sie aber auch für ihre Arbeit, insbesondere als Herdenschutzhunde, hervorragend vorbereitet.

Selbst die teuersten Zwingeranlagen können dieses natürliche Umfeld nicht ersetzen. Wenn die Hunde sich untereinander hin und wieder ein paar Schrammen verpassen, gehört dies eben zu der rauhen Natur dieser stolzen Beschützer.

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DIE NOMADEN

 

Den Nomaden Zentralasiens, Nachkommen der ersten prähistorischen Viehzüchter und Schöpfer der Herdenschutzhunde, begegneten die festansässigen Bauern wohl von Alters her mit Misstrauen. Heute sind sie immer mehr am untersten Rand der sozialen Hierarchie angesiedelt (wie alle "Mobilen Ethnischen Minderheiten"). Sie gehören zu den am schwersten von den Kriegen und politisch /religiösen Spannungen der letzten Jahrzehnte betroffenen Bevölkerungsgruppen.

 

Ihre ursprüngliche Lebensweise ist durch die andauernd unsichere Lage, insbesondere in Afghanistan, die Minenfelder und die zunehmend abgeschotteten Grenzen (selbst zur Zeit der Sowjetunion konnten die Nomaden noch recht frei durch den "Eisernen Vorhang" wandern), immer mehr gefährdet.

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Photo: Nomaden im afghanisch/pakistanischen Grenzgebiet - Abdul Raziq Kakar

 

Wanderhirten sind für weite Teile Zentralasiens die einzig nachhaltige Landwirtschaftsform. Die karge Vegetation verkraftet auf Dauer keine sesshafte Viehzucht und Ackerbau wird durch die häufigen Dürreperioden in vielen Gegenden verunmöglicht. Trotzdem wird das angestammte Territorium der Nomaden zunehmend von Bauern beansprucht, deren Vieh den Boden zerstört und deren Ernten oft verdorren (mit Ausnahme des Klatschmohns).

 

Afghanistans traditionelle, den Klima- und Bodenverhältnissen angepassten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Pistazien, Granatäpfel, getrocknete Trauben und die Milch-, Woll-, Fleisch und Lederproduktion der Nomaden, die früher ein Grundpfeiler der Versorgung des Landes waren. Ihr Verschwinden bedeutet also nicht bloss den Verlust einer uralten Kultur, sondern eine ökologische, wirtschaftliche und soziale Katastrophe.

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Auf dem Hundeplatz in Kabul

"Hunderassen sind altes Kulturgut und ebenso erhaltenswürdig wie irgendeine Skulptur, ein Gemälde oder ein Gebäude."

Dr. Hans Räber, Schweizer Kynologe

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